Henning Wolter Quartett
Der Pianist und Komponist Henning Wolter ist einer der wenigen deutschen Jazzmusiker, der seine Fans mit seiner Trioformation und sorgsam ausgewählten Gastmusikern seit Jahren durch konstante erstklassige Arbeit überzeugt.

Mit der CD „Years of trilogy“ beendete er 2001 seine Trilogie und erhielt Aufträge für verschiedene Filmmusiken u.a. auch für die Kinofassung der Ruhrgebiet-Doku-Soap „Die Helden von Eisenheim“. Daneben gab er weiterhin zahlreiche Konzerte mit seiner Band, woraus sein neues Projekt „Henning Wolter Quartett featuring Andrea Kaiser“ entstand und nun auf der aktuellen CD ILLUSION verewigt ist. Diesmal hat er seine altbewährte Trioformation (Lucien Matheeuwsen, bass/ Marcel van Cleef, drums) durch die junge facettenreiche Sängerin Andrea Kaiser komplettiert. Sie steuerte aber nicht nur ihre soulig - farbige Stimme zu dieser Produktion bei, sondern schrieb die Texte zu den meisten Songs. Erfreulich gelungen ist dabei insbesondere, dass sie sich nicht vor der deutschen Konsonantenwelt scheut und deutsche Lyrics gekonnt in den Jazz einbettet.

Das Programm erreicht außergewöhnliche Augenblicke von Intimität - ähnlich eines Piano-Gesangs-Duos - unterstützt durch die brillant eingespielte Rhythmusgruppe, die es gekonnt versteht, die Sängerin in den Kreis der Eingeschworenen aufzunehmen. Durch die vielfältigen Schattierungen, die Marcel van Cleef seinem Drumset entlockt, und die variationsreichen Ostinati und Flageoletts des Bassisten Lucien Matheeuwsen verströmt jedes der Stücke sein individuelles Klangspektrum.

Schon mit dem Opener „Comes Love“ steht das volle perkussive Piano dem geheimnisvollen Klang der Stimme gegenüber und schafft einen Spannungsbogen, der sich über die gesamte CD erstreckt. So werden im Stück „My little sad Lucie“ das Thema Verlust, Trauer aber auch Hoffnung eindrücklich umgesetzt. Die sanft melancholische Stimme der Sängerin verschmilzt in Wolters Komposition zu einer musikalischen Einheit mit dem Pianoklang. Der Titelsong „Illusion“ bildet gleichzeitig das Zentrum dieses Albums. Textinhalt und Cover korrespondieren miteinander. Das Leben zieht an einem vorbei, Eindrücke und Gefühle ändern sich, Täuschung durch reine Sinneswahrnehmung kann zu Realitätsverlust und in eine ungewisse Zukunft führen. Ganz im Gegensatz hierzu steht die Komposition „Out of Africa“, das farbenprächtige Intro des Perkussionisten Marcel van Cleef zur Komposition „Afro Blue“. Durch seine pentatonisch gestimmten Hangs – eine Art Gong – versetzt er den Zuhörer augenblicklich in die Weite einer Steppenlandschaft. Der Vokalklang ist unterstützend auf diese Atmosphäre abgestimmt. Vor dem inneren Auge taucht ein Horizont zur „Blauen Stunde“ mit den Silhouetten exotischer Tiere auf. Spannung bekommt dieses Stück zusätzlich durch das konturenreiche Pianosolo von Henning Wolter. Nach einigen weiteren geheimnisvoll verschlungenen Pfaden entlässt einen der Zusatz-Track - die rockige Version von Illusion – mit dem Gitarrensound von Gastmusiker Maikel Thijssen und dem Rhodes-Klang von Henning Wolter aus allen Illusionen. Zurück im Hier und Jetzt weiß man sofort: Diese Band will man live erleben und die CD zu Hause immer griffbereit haben!